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Interview with CONE THE WEIRD in the new issue of EGAL newspaper

May 15, 2014

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Cone The Weird begibt sich mit seiner Soloaustellung inhaltlich auf schizophrenes Terrain. Einen Teil seiner Arbeiten widmet er dem Blick auf sich selbst. Dies geschieht in Form serieller Selbstbildnisse. Diese Abbilder müssen für Gedankenspiele und visuelle Experimente herhalten.

Den konzeptuellen Ursprung dafür fand er in seinen gestalterischen Wurzeln, die im Graffiti liegen. Das Prinzip sich ein Pseudonym zuzulegen (die eigene Identität zu kaschieren) um dieses zu vervielfältigen, zu streuen und mit ihr zu experimentieren findet sich im Kern dieser Arbeit. Statt einem Tag oder klass-
ischem Style wird das Portrait als Platzhalter der Identität gewählt und facettenreich variiert. Cone versteht dies als offenes Experiment in dem Grenzen zwischen autobiografischen Teilrealitäten und reiner Fiktion verschwimmen, stets auf der Suche nach einer eigenen Bildsprache.

Den zweiten Teil der Ausstellung bilden die durch den Blick nach außen geprägten Zeichnungen. Tribute an prägende Le-bensbegleiter aus den Welten der Musik, Literatur und Geisteswissenschaften, jedoch auch die des Boulevards und seiner seichten Gewässer. Die Dialektik zwischen seriöseren und trivialen Inhalten wird  durch Cones markanten Stil unterstrichen. Dieser zielt nicht darauf ab Illustration, bzw. Karikatur, im klassischen Sinne zu betreiben. Vielmehr wird nach einer eigenständigen Formensprache gesucht, die ihre Ursprünge zwar auch aus dem Comic ableitet, sich dem Korsett seiner formalen Strukturen jedoch zu entziehen vermag. Überwiegend werden die Art von Tuschzeichnungen gezeigt, die in den letzten Jahren zu einem Markenzeichen für  Cone wurden. Der Zusatz “No. 1” im Titel gibt bereits zu erkennen, dass es sich bei diesen Arbeitszweigen um Serien handelt und somit auch mit einer Fortsetzung zu rechnen ist.

Der gebürtige Münchner Cone begann 1993 mit Graffiti. Geprägt wurde er durch den frühen Zugang zu Sammlungen von Bildbänden, Comics und illustrationslastiger Fachliteratur. Ihn faszinierten schon im Kindesalter die darin geborgenen Bildwelten, ihre Gegensätzlichkeiten und deren innewohnenden Mythologien. Holzschnitte aus dem Späten Mittelalter, die Malerei der Renaissance bis hin zum Surrealismus, viktorianische Werbedrucke, sowie die Gestaltungswelten von Plattencovern hinterließen Spuren in seiner gestalterischen Entwicklung. Dabei verhielt sich sein Wissensdurst in Bezug auf Darstellungstechniken ähnlich eklektisch. Mit den Jahren gewannen die Figuren die Oberhand und Cones Motive sind mittlerweile fast ausschließlich davon geprägt. Seit 2006 malt er überwiegend in Schwarzweiß und konzentriert sich auf Tuschzeichnungen. Der Gedanke dahinter ist die Effekt-reduktion zugunsten des Feinschliffes an der Figurengestaltung sowie der Bildinhalte.

 

EGAL: Wie siehst du den heutigen Zeitgeist im Bereich der Gestaltung?

CONE: Eine Sache, die ich als typisch für unsere heutige Zeit ansehe ist, dass man scheinbar sofort alles nach außen tragen möchte. Sehr viele Gestalter – dabei ist das Betätigungsfeld relativ egal – investieren kaum Zeit mehr in Qualität ihrer Arbeiten. Man gönnt sich scheinbar keinen Reifeprozess oder ist kaum fähig sich intensiver mit Inhalten und Form auseinander zu setzen. Dies hat häufig zur Folge, dass die Ergebnisse konzeptuell und formal schwach sind. Im Gegenzug dazu wird jedoch schnelle Aufmerksamkeit und Erfolg für diese Sachen verlangt. Man muss kein Fachmann für die Bereiche Design, Illustration, Graffiti oder was auch immer sein. Jeder von uns hat Augen, Ohren, Sinne, einen Kopf zum denken und Bauchgefühle, die den Weg in eine positive oder negative Richtung weisen können. Davon darf man gerne gebrauch machen.

EGAL: Was ist dir an deiner Arbeit wichtig?

CONE: Ich richte quasi mein ganzes Leben nach dem aus, was ich liebe und mich oftmals auch quält. Es ist ein innerer Drang diesen Weg zu gehen, den ich nicht genau erklären kann. Wichtig ist für mich auf jeden Fall, dass es Raum für Leidenschaft und Qualität gibt. Trotzdem muss ich auch davon leben können. Es kommt schon vor, dass ich einen lukrativeren Job zugunsten eines für mich anderen Projekts absage, weil ich in dem weniger kommerziellen Ding etwas spannenderes für mich sehe. Diese Freiheit ist toll, wenn man sie sich nehmen kann.

EGAL: Verrate uns ein paar Details zur Ausstellung

CONE: Letztes Jahr hatte ich nur Gruppenausstellungen mit anderen Künstlern, dieses Jahr sind drei Soloausstellungen geplant und eine davon, “ICONES – Number 1”, findet bei euch in Wien statt. Thematisch drehen sich die gezeigten Arbeiten um Selbstportraits, Tributzeichnungen und lächerliche Geständnisse. Bei den Selbstportraits handelt es sich um überzogenen Darstellungen von mir und mit diesem Zerrbild experimentiere ich herum. Diese kleinen Selbstbildnisse sind mir persönlich sehr wichtig, weil ich dadurch meinen gedanklichen Wirren ein Ventil geben kann und die Zeichnungen sich inhaltlich beflügeln, je mehr es werden. Bei den Hommagezeichnungen geht es um Musiker, Schriftsteller oder beispielsweise Philosophen, die ich verfolge oder die mich in irgendeiner Art und Weise inspirieren. Das können auch irgendwelche schwachsinnigen Celebrities sein, über die ich mich amüsieren kann und die mich seltsamerweise beschäftigen. Die peinlichen Geständnisse sind nicht nur eben solche sondern auch überzogene Alltagsfantasien, die ich in Bildform gepackt habe. Alles ist relativ. Grenzen zwischen realem und fiktivem ziehe ich in meinen Arbeiten selten. Es wird also nicht zu intim in autibiografischer hinsicht, allerdings mitunter herrlich albern.

EGAL: Wien oder Saarbrücken?

CONE: Ab und zu fehlt mir die Großstadtanonymität. Ich wohne in Saarbrücken, der Bundes-hauptstadt des Saarlands. Hier spielt sich mein Leben in einem Radius ab, der in Wien gerade mal zwei, drei U-Bahn-Stationen ausmachen würde. Manchmal fällt mir hier die Decke auf den Kopf, dann ist es Zeit auszubrechen und ein wenig zu reisen. In Wien, bin ich bereits einige male gewesen und kann sagen, ich liebe diese Stadt. Sie ist mir sehr sympathisch und sicher werde ich noch öfters vorbeikommen.

 

 


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